Zsolt Zrínyi (*1969)

Lebt und arbeitet in München und Bernried am Starnberger See
Essbar schön, radikal reflexiv.
Das keramische Werk von Zsolt Zrínyi
Von Daniel J. Schreiber
Die keramischen Plastiken von Zsolt Zrínyi verästeln, verzweigen, bilden Blüten, entwickeln Dornen, recken sich dynamisch in die Höhe, befreit von dem Zwang, irgendetwas abbilden zu müssen, nur der kompositorischen Lust ihres Schöpfers verpflichtet. Aber ist Zrinyi ein Meister der organischen Abstraktion? Geht es ihm um Rückbesinnung auf die Natur? Keineswegs. Er mag die Pflanzen. Die Apfelernte in seinem duftigen Garten war heuer üppig. In seiner Kunst befasst er sich aber mit etwas anderem: mit „Ich und Dich", wie wir es verschiedentlich auf seinen Werken lesen können. Nicht das statistisch Erfass-bare, das wissenschaftlich Beschreibbare oder das technisch Mögliche sind sein Thema, sondern das Unbeschreibliche, die Abweichungen, die Komplikationen des menschlichen Miteinanders. Mit anderen Worten: das Subjekt und sein Gegenüber. „Ich und Dich" heißt es bei ihm, nicht etwa „Ich und Du". Der transitive Gebrauch des Personalpronomens ist wichtig. Es handelt sich nicht um eine Aufzählung zweier Entitäten. Vielmehr dreht sich alles um die Bezugnahme des einen auf den anderen, um ihre Kommunikation.
Zrínyis Werk ist eine radikale Reflexion unserer Zeit. Die von Medien geprägte Alltags-kultur mit ihren sprachlichen und formalen Manifestationen bestimmen die Motive. Die Hände und die Gesichter, die immer wieder aus den Plastiken hervorragen oder sie bekrönen, könnten aus Netflix-Produktionen wie den Louds, Emoji, Pets oder Hotel Transsilvanien stammen. Der Text, der sich eingeritzt oder aufgemalt auf den schillernden, metallisch glänzenden oder cremig aufschäumenden Glasuren findet, entstammt dem Sprachgebrauch der sozialen Medien: „Digga", „Bitch", „Hate" , „Love", „Boobs forever", „Suck my Dick" sowie das obligatorische „Fuck You".
Zrínyis pflanzenartige Gebilde sind fühlbar, sichtbar, geradezu essbar schön. Sie entführen uns in den Kosmos der ästhetischen Wahrnehmung, die uns herausführt aus dem, was wir nicht mehr hinterfragen, weil wir uns schon so sehr daran gewöhnt haben. Sie macht uns empfänglicher und offener für neue Beurteilungen. So führt uns der Künstler die heutigen kommunikativen Gepflogenheiten vor Augen. Ihre emotionale Beliebigkeit, ihre grenzverletzende Brutalität, ihr indifferentes Verhältnis zum Wahrheitsanspruch. Künstler der organischen Abstraktion wie Hermann Obrist, Hans Arp oder Henry Moore wollten unser Verhältnis zur Natur neu definieren. Zsolt Zrínyi lädt uns dazu ein, das Verhältnis zwischen uns Menschen neu zu bestimmen.
Daniel J. Schreiber
Leiter der Museen der Stadt Landshut
Vertreten durch
SMUDAJESCHECK
Galerie für zeitgenössische Kunst München
smudajescheck.com
Presse
PLEASE LEAVE YOUR MESSAGE
Ausstellung im Kunsttempel in Kassel
Zum Artikel...
Süddeutsche Zeitung | 14. März 2022
SÄUFERLEGENDEN UND DIE SCHÖNHEIT DES ALLTAGS
Eine wunderbare Schau voll heiterer Melancholie: Vier Münchner Künstler verzaubern mit "Bild und Ton" das Künstlerhaus Marktoberdorf.
Zum Artikel...
Publikationen

Dichte & Denker
2025

Bild und Ton II
2023

Neue Freunde
2022

Familie Ascher
undtonverlag 2022

Bild und Ton I
2020

Headlines
2021

Ausm Keller
2017